Samstag, Juli 09, 2011

Joschka und Herr Fischer – Der etwas andere Kinobesuch

by admin

Es gab selten Kinofilme, auf die ich mich bereits so lange im Voraus derart gefreut habe und auch selten welche, die mir ein solches Lächeln auf die Lippen zaubern können, wenn ich an den Kinobesuch zurückdenke.Der Film selbst war, wie erwartet, äußerst interessant und unterhaltsam. Nicht nur die faszinierende Persönlichkeit unseres Ex-Straßenguerillas und Außenministers a.D. prägten den Film, sondern auch der Überblick über deutsche Geschichte nach 1945 aus einer sehr persönlichen Perspektive. Dargestellt wurde eine Person, der man nach diesem Film nur applaudieren kann, auch wenn Herr Fischer sich, obwohl selbstreflektiert doch außerordentlich harmlos präsentiert, und wer immer noch hoffen sollte, dieser Mann würde sich 2013 zu einer Kanzlerkandidatur hinreißen lassen, der sollte sich durch diesen Film eines Besseren belehren lassen. Doch fast interessanter als der Film war das Publikum.
Als ich ahnungslos das Kino betrat und mich auf den Platz setzte füllte sich der Saal erst nach und nach. Hätte man eine Meinungsumfrage vor Filmbeginn gemacht, so hätten die Grünen wohl etwa 98% der Stimmen erhalten und an den zwei fehlenden Prozenten wäre ich Schuld gewesen. Ansonsten war das Publikum sehr gemischt, die Frauenquote war eingehalten und von Ü18 bis Uhu (unter hundert) war wohl jedes Alter vertreten, es bestand aus Anzugträgern, Jugendlichen in „Jack Wolfskin“-Jacken mit langer gelockter Haarpracht und unangenehm riechenden Menschen mittleren Alters mit dreckigem Rucksack und Bierdose. Getrunken wurden Coca-Cola, Oettinger Export, aber auch Sekt und Selters. Die Gegensätze waren faszinierend, die Gemeinsamkeit lag nur darin, dass sich alle in gewisser Weise vom gesellschaftlichen Durchschnitt abzuheben versuchten, was bei vielen jedoch ein wenig verzweifelt aussah, wie z.B. bei dem langmähnigen Jeansjackenträger Mitte vierzig, mit der ins Cocktailkleid geschnürten Blondine. Doch all das hatte man ja schon irgendwo mal gesehen, was mir jedoch noch nie passiert war, war die Tatsache, dass ein Dokumentarfilm, die Zuschauer derart emotional aufzuwühlen vermag, dass diese sich zu einer waschechten Schlägerei in einem Kino hinreißen lassen, wie es dann geschah, als einer der Biertrinker, der sich wohl selbst ein wenig zu sehr mit den im Film dargestellten Personen identifizierte auch nach mehrmaliger Aufforderung nicht damit aufhören wollte, keine Stelle des Films unkommentiert zu lassen, sodass ein anderer sich ein Herz nahm und sich nicht mehr nur darauf beschränkte, ihn verbal davon zu überzeugen, mit seinem Betragen doch bitte aufzuhören. Nach kurzem Handgemenge verlies der Unruhestifter dann endlich drohend den Raum und ich konnte den Film mit einem Schmunzeln im Gesicht zu ende sehen, während der Rest der Meute sich noch Weile über den Vorfall empörte. Na Joschka, sind wir nicht doch alle ein wenig konservativ geworden?

Joschka und Herr Fischer (Pepe Danquart) | Kino-Trailer HD

 

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